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Der Status der Beziehung zwischen Deutschland und China: Es ist kompliziert Deutschland | Ausführliche Nachrichten und Berichte aus Berlin und darüber hinaus DW

Manchmal können langjährige Geschäftspartnerschaften Knackpunkte erreichen. Gemeinsamkeiten werden erschöpft, während die Zukunftsvisionen immer mehr auseinander gehen. Zwei Parteien können wirklich nicht mehr miteinander auskommen – aber auch das Trennen von Bindungen ist keine Option mehr.

Berlin und Peking scheinen sich diesem Punkt zu nähern. Bei den sechsten Konsultationen zwischen der deutsch-chinesischen Regierung am Mittwoch haben beide Seiten auf ihre Unterschiede hingewiesen.

„In bestimmten Fragen gibt es zwischen China und Deutschland unterschiedliche Ansichten. Dies ist eine objektive Tatsache“, sagte der chinesische Premierminister Li Keqiang zu Beginn der Gespräche. Er sagte, dass beide Seiten „Kerninteressen respektieren“ und „auf der Grundlage von Gleichbehandlung und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Seite“ kommunizieren sollten. Auf dieser Grundlage könnten günstige Bedingungen für eine weiterhin reibungslose Zusammenarbeit geschaffen werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf frühere Kritikpunkte Deutschlands zu Menschenrechtsfragen in China hingewiesen und weitere Diskussionen auch zwischen den Justizministern beider Länder gefordert.

„Es ist ein Austausch, der Gemeinsamkeiten abdeckt, aber manchmal unterschiedliche Sichtweisen sieht“, sagte sie in ihrer Eröffnungsrede.

Auf halbem Weg nach Hause auf Huawei und 5G

Das jüngste Beispiel für Reibung kam am 23. April, als die Bundesregierung das „Zweite Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit des IT-Systems“ verabschiedete. Das neue Gesetz ignoriert den Namen und zielt darauf ab, den chinesischen Mobilfunkanbieter Huawei zu regulieren.

Laut Gesetz wird Huawei nicht daran gehindert, am Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland teilzunehmen, aber es werden hohe Barrieren geschaffen. Zuvor hatte Pekings Botschafter in Berlin, Wu Qin, offen gedroht, dass Peking „nicht untätig dastehen“ würde, wenn Huawei aus dem 5G-Netzwerk ausgeschlossen würde.

Aber es gibt noch andere schwierige Punkte: die Massenverfolgung der uigurischen Minderheit in Xinjiang; Unterdrückung der Demokratie in Hongkong. Pekings aggressive Aktionen im Südchinesischen Meer und die Bedrohungen der chinesischen Regierung für Taiwan. In Deutschland nehmen die Konfliktquellen mit China zu.

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Gleichzeitig gedeihen und intensivieren sich die wirtschaftlichen Beziehungen weiter. Im Jahr 2019 (dem letzten Jahr mit vollständiger Statistik) war China zum vierten Mal in Folge Deutschlands größter Handelspartner. Deutsche Autohersteller verkaufen in China mehr Autos als im Inland.

China ist für den deutschen Autohersteller ein größerer Markt als Deutschland, ganz zu schweigen von einem großen Produktionszentrum – dieses Werk befindet sich in Shanghai

Vom Partner zum Konkurrenten

Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeleiteten zwischenstaatlichen Konsultationen zwischen China und Deutschland dauern seit einem Jahrzehnt an. Diese Art des hochrangigen Regierungsdialogs richtet sich an besonders enge Partner.

2014 wurden die deutsch-chinesischen Beziehungen zu einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ ausgebaut. Seitdem hat sich die Stimmung in Berlin und anderen westlichen Hauptstädten jedoch dramatisch verändert.

Im März 2019 identifizierte die Europäische Kommission China als „systematischen Wettbewerb“. Der Block sagte, China habe sich nicht nur dem westlichen Modell der Demokratie und einer Marktwirtschaft mit seiner autoritären Marke des marktorientierten Kommunismus widersetzt. Sie sagten auch, dass seine wirtschaftlich erfolgreiche autoritäre Herrschaft zu einem Export für andere Diktatoren auf der ganzen Welt wurde.

Es ist daher zweifelhaft, ob das digitale Treffen am Mittwoch zu einer durchschlagenden Erklärung führen wird, wie sie bei den letzten zwischenstaatlichen Konsultationen im Jahr 2018 verabschiedet wurde, als das gemeinsame Papier den Titel „Verantwortliche Partner für eine bessere Welt“ trug.

Darin haben sich Deutschland und China unter anderem zum „Vorrang der regelbasierten internationalen Ordnung“, den von beiden Seiten unterzeichneten Menschenrechtsverträgen und der Unterstützung der Vereinten Nationen und ihrer Ziele verpflichtet.

Diese Ziele sollten höchstwahrscheinlich eine Botschaft nach Washington senden, da der damalige US-Präsident Donald Trump aus seiner Abneigung gegen das internationale System und seine Institutionen kein Geheimnis machte.

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Washington bleibt wichtig

Genau wie damals bleibt Washington heute ein Teil des Kalküls, diesmal unter der Schirmherrschaft des wachsenden Machtkampfes zwischen den Vereinigten Staaten und China. Wirtschaftliche Interdependenz und globale Arbeitsteilung galten lange Zeit als Garanten des Friedens. Im neuen wirtschaftlichen Geodenken sind sie zu einem Risiko geworden: Abhängigkeiten können ausgenutzt werden. Deshalb ist der Begriff „Segregation“ so beliebt.

Aber die Trennung wird nicht einfach sein. Die deutsche Wirtschaft ist auf internationaler Ebene sehr eng miteinander verbunden. Dies ist einer der Gründe, warum Außenminister Haikou Maas nach seinen Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi in der vergangenen Woche gezwungen war, anzukündigen, dass die „Trennung“ zwischen China und Deutschland trotz aller Herausforderungen der falsche Weg wäre.

Bundeskanzlerin Merkel und Staats- und Parteivorsitzender Xi Jinping sprachen vor den zwischenstaatlichen Konsultationen Anfang April ebenfalls telefonisch. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua forderte Xi die Europäische Union und China auf, „Unruhen zu beseitigen“. Er sagte, dass die Beziehungen „verschiedenen Herausforderungen“ gegenüberstehen. China hatte gehofft, dass Europa seine „strategische Unabhängigkeit“ erreichen würde, fuhr Xi Jinping laut der Nachrichtenagentur Xinhua fort – in Bemerkungen, die teilweise auf die Vereinigten Staaten gerichtet sein könnten.

Ping-Pong-Strafen

Im März verhängte die Europäische Union erstmals seit 1989 Sanktionen gegen China – wegen Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang, einer von uigurischen Muslimen bevölkerten Provinz.

Im Gegenzug verhängte China Sanktionen gegen Wissenschaftler und Mitglieder des Europäischen Parlaments. Dies ist das gleiche Europäische Parlament, das das Investitionsschutzabkommen, das die Europäische Union und China Ende letzten Jahres unterzeichnet haben, nach siebenjährigen Verhandlungen noch nicht gebilligt hat. Aus Berlins Sicht war dieses Abkommen einer der größten Erfolge der deutschen Präsidentschaft der Europäischen Union. Chinesische Sanktionen machen es zweifelhaft, dass die Abgeordneten dies zulassen werden.

Pekings Geschäfte mit den Uiguren enthalten mehr Dynamit: Die Vereinigten Staaten haben die Möglichkeit eines Boykotts der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking angesprochen. Bisher widmet sich die Bundesregierung diesem Thema nicht. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums trat zurück, als sie Anfang April gefragt wurde, „die Unabhängigkeit des Sports“ zu behaupten, und wies streng darauf hin, dass der Boykott nicht der Anfang sei.

Der Bundestag wird Mitte Mai darüber debattieren, ob die Behandlung der Uiguren als „Völkermord“ bezeichnet werden soll.

Andererseits wurden Fortschritte in der Zusammenarbeit im Bereich des Klima- und Umweltschutzes erzielt. Bundesumweltministerin Svenia Schultz und ihr chinesischer Amtskollege Huang Runkyo haben am Dienstag eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Schulze erklärte, dass sich die ausführliche Diskussion auch auf die Frage konzentrierte, wie die chinesische Regierung ihr Ziel erreichen kann, bis 2060 klimaneutral zu werden.

Beziehungen bleiben angespannt, komplex und manchmal widersprüchlich. Der Umgang mit solch einem schwierigen Verhältnis wäre für Deutschland allein schwierig und könnte in einem europäischen Kontext besser gehandhabt werden.

Dieser Artikel ist aus dem Deutschen adaptiert.